Wir wollten am Montag zum weltberuehmten Milford Sound aufbrechen. Wir hatten schon am Vortag eine Boots-Tour durch den Sound gebucht.
Da nur eine Strasse nach Milford fuehrt und es nur einen groesseren Ort gibt, wo man realistische Chancen auf eine Unterkunft hat haben wir uns auch dort eingenistet. Von diesem Ort - Te Anau - haben wir uns dann auch am Montag schon um 7:30 Uhr auf den Weg gemacht. Wir mussten vorher auch noch tanken, da es in auf den ganzen 120 km nach Milford und in Milford keine Tankstelle, oder sont etwas gibt.
Zuvor hatten wir nur unaufmerksam den Wetterbericht verfolgt, der davor gewarnt hatte, dass Unwetter erwartet werden.
In Te Anau hat es aber am Morgen nur wenig geregnet und da wir auch schon gebucht hatten haben wir uns voller Vorfreude auf den Weg nach Milford gemacht. Schliesslich heisst es ja auch, dass der Regen das ist, was Milford Sound ausmacht.
Um so naeher wir dem Sound kamen, um so heftiger wurden die Regenfaelle. Es ist zwar bekannt, dass Milford Sound etwa 7 Meter Regen im Jahr abbekommt, aber man hatte das Gefuehl diese 7 m wollten alle an einem Tag auf uns herunter regnen.
Ich war zunaechst ueberrascht, wie gut das Wasser abgeflossen ist und das noch keine Strassen ueberflutet waren, da von allen Bergen um uns herum tausende Wasserfaelle nach unten stuerzten, die laut Andrea (sie war schon einmal im Sound), sonst nicht dort waren.
Vor dem einspurigen Homer Tunnel, der in den 50er Jahren erbaut wurde, mussten wir dann zum ersten mal anhalten und wir konnten die vielen Wasserfaelle bestaunen. Es war allerdings unmoeglich aus dem Auto auszusteigen, da man in Minutenschnelle klitschnass war.
Im schlechtbeleuchteten Tunnel warteten dann riesiege Schlaglocher auf uns. Der Tunnel ist nicht annaehernd so, wie man sich einen Autotunnel in Europa vorstellt. Im Prinzip ist es nur ein Loch im Berg. Keine Wandverkleidung, keine Notausgaenge und nur sehr spaerlich beleuchtet. Es "regnet" sogar in diesem Tunnel! Es sieht im Grunde so aus, als seien die Arbeiter in der Mittagspause und der Tunnel sei noch nicht annaehernd fertiggestellt.
Als wir aus dem Tunnel draussen waren ging es wieder abwaerts und vor uns war die Strasse ueberflutet und es hatte faustgrosse Steine auf die Strasse gespuehlt. Hier haetten wir wohl besser umgedreht, aber wir hatten ja gebucht und die anderen sind auch durch gefahren.
Das Auto vor uns hat sich bei dem Manoever ein Teil am Unterboden abgerissen und wir hielten an um ihnen meinen Wagenheber zu leihen, um das Teil wieder provisorisch zu befestigen.
Danach ging es weiter zum Boots-Terminal in Milford. Was auch so ziemlich das einzigste ist, was es in Milford gibt.
Dort angekommen hat man uns mitgeteilt, dass unser gebuchtes Boot nicht auslaufen wuerde und man hatte uns auf ein anderes Boot umgebucht und uns dafuer einen Buffet-Gutschein gegeben. Es war allerdings auch nicht sicher, ob dieses Boot auslaufen wuerde, da immernoch ein Boot im Sound war, was nicht wieder zurueck in den Hafen konnte, aufgrund des heftigen Sturms.
Nach einer knappen Stunde warten, teilte man uns mit, dass heute womoeglich kein Boot mehr auslaufen wuerde. Wir koennten aber an Bord gehen, um uns etwas zu Essen vom Buffet zu holen. Danach wuerden wir dann aber trotzdem den vollen Preis erstattet bekommen.
Also haben wir uns Essen geholt und wollten danach zurueck fahren.
Da die Scheibenwischer schon auf dem Hinweg immer langsamer wurden und schon in voller Geschwindigkeit nicht mit dem ganzen Wasser zurecht kamen, hatten wir schon etwas sorgen, was den Rueckweg anbelangt, aber was sollten wir tun? Wir mussten ja irgendwie zurueck, das Wetter wuerde heute nicht mehr besser werden!
Wieder im Auto waren die Scheibenwischer (oh wunder) immernoch langsam und wurden von Minute zu Minute langsamer. Nach knapp 10 km mussten wir dann anhalten, weil die Strasse jetzt an der Stelle gesperrt war, wo sie zuvor ueberschwemmt wurde. Als das Auto langsamer wurde ging es dann auch einfach aus... James und ich sind dann ausgestiegen um es wenigstens an den Strassenrand zu schieben. Aber was nun?
James machte sich auf, um einen Bauarbeiter um Rat zu fragen, kam aber ohne Ergebnisse zurueck. Ein netter Herr nahm ihn dann aber mit zurueck nach Milford um Hilfe zu suchen, aber auch dies blieb erfolglos. Inzwischen war eine Stunde vergangen und die Strasse war wieder frei gegeben. Wir fuellten etwas Oel nach, da es so aussah, als haetten wir kein Oel mehr und siehe da, ploetzlich lief das Auto wieder!
Es brachte uns weitere 3 km, bis wir vor dem Tunnel wieder anhalten mussten und es daraufhin wieder aus ging. Als die Ampel fuer den Tunnel gruen wurde bemerkte uns ein netter Kiwi, names Wayne, von der Nordinsel, der zusammen mit seiner Frau unterwegs war. Er gab uns dann Starthilfe und fuer im Tunnel vorne weg, da wir kein Licht hatten und die Scheibenwischer folglich auch kaum liefen. Zum Glueck erst nach dem Tunnel ging das Auto gerade wieder aus, was Wayne zum Glueck gleich bemerkte und umkehrte. Er gab uns erneut Starthilfe, was uns aber diesmal nur 100 m weiter brachte.
Daraufhin kam ein Bauarbeiter und meinte, dass wir das Auto hier auf keinen Fall in der Kurve stehen lassen koennten, was recht unfreundlich, aber verstaendlich war. Wir versuchten es nochmal mit Strathilfe, was aber diesmal nichts mehr brachte. Wayne hatte dann die gloreiche Idee, dass wir einfach bis nach unten ins Tal rollen sollten. Meine Anmerkung, dass die Scheibenwischer aber auch nicht funktionieren wuerden wurde mehr oder weniger von allen Beteiligten im Trubel ueberhoert und auch ich hatte den Gedanken verworfen, da mir die nicht funktionierenden Bremsen (wenn das Auto aus ist) wichtiger erschienen. Wayne meinte aber, ich muesse nur fester druecken und ausserdem haette ich ja noch die Handbremse! Woraufhin alle davon ueberzeugt waren, dass wir es wagen sollten. James musste uns dann kurz anschieben, ehe wir den Berg hinunter rollten, ohne irgendwas aufgrunde von angelaufenen Scheiben und nicht funktionierenden Scheibenwischern zu sehen... Die Stecke war verstaendlicherweise sehr kurvig und ich habe uns schon gegen den naechsten Felsen knallen gesehen. James hing mit seinem Kopf hinten aus dem Fenster und versuchte Komandos zu geben, was ich aber nicht wirklich wahrgenommen habe. Andrea sass neben mir, hielt sich die Augen zu und fing fast an zu heulen. Ich habe versucht mich an dem Mittelstreifen zu orientieren und moeglichst nicht allzu schnell zu werden.
Ich weiss nicht, wie lange es gedauert hat, aber irgendwann hatte ich uns dann heil ins Tal gebracht, ohne in den Gegenverkehr zu geraten und mir ist ein riesen Stein vom Herzen gefallen. Wayne bot uns dann an, uns mit ins 100 km entfernte Te Anau zu nehmen, was wir natuerlich dankend angenommen haben. Wir waren alle nass bis auf die Knochen, so viel Regen hat noch niemand von uns gesehen. Ich darf Andrea mit den Worten zitieren: "Ich komme aus Seattle, dort regnet es viel, aber sowas habe ich noch nie gesehen"!
Nach ueber einer Stunde fahrt hat Wayne uns dann durch ganz Te Anau gefahren, um die moeglichst guenstigste Batterie fuer mein Auto zu finden. Und schliesslich hat er uns noch bis vor die Tuer unserer Cabin gebracht.
Es war klar, dass wir es jetzt nicht mehr bis zum Auto schaffen wuerden, also beschlossen wir, am naechsten morgen jemanden zu finden, der uns mit nach Milford nimmt, damit wir die neue Batterie einbauen konnten.
Die Suche nach einer kostenlosen Mitfahrgelegenheit blieb am naechsten Morgen aber erfolglos, sodass James und ich uns entschlossen mit dem Bus zum Auto zu fahren. Der Busfahrer hatte auch Werkzeug fuer uns, was die Sache erleichterte.
Er erzaehlte uns dann auch, dass gestern 484 mm (!!!) Regen in Milford gefallen sei und dass 120 Leute, die den Milford Track wanderten mit dem Helikopter ausgeflogen werden mussten. (Zum vergleich: die durchschnittliche jaehrliche Niederschlagsmenge in der Wetterau liegt bei 600 mm!)
Am Auto angekommen hat uns der Busfahrer dann auch die Batterie gewechselt und wir konnten endlich starten. Die Batterie mussten wir mit Gummibaendern befestigen, da sie, wenn auch fuer das Auto bestimmt, nicht passte. Mehr sorgen bereitete mir aber der viel weisse Rauch, der jetzt aus dem Auspuff kam. Dieser verschwand aber zum Glueck nach wenigen Minute. Wir wollten jetzt nur noch raus aus Milford, raus aus Te Anau. Dort holten wir dann auch Andrea und unser Gepaeck ab. Wir wollten uns dann auf den Weg nach Wanaka machen, von wo aus wir dann zur Westkueste wollten. Einen Zwischenstopp wollten wir dann aber noch in Cromwell einlegen, um noch ein paar Flaschen Felton Road Wein einzukaufen.
Als wir dann aber 6 km vor Cromwell abbiegen wollten, um die Flaschen zu kaufen ging das Auto wieder aus! Jetzt war klar, es war nicht die Batterie, sondern womoeglich die Lichtmaschine. Das positive an der Situation war allerdings, dass wir diesmal nicht im Regen, sondern in der Sonne standen und dass wir ja noch Bekannte in Cromwell hatten.
Diese Bekannten hatten wir dann angerufen, allerdings haben die noch gearbeitet und wir wollten nicht noch die Abschleppkosten bezahlen. Wir warteten dann 2 Stunden auf Hilfe, bis wir dann von Fabien abgeschleppt wurden, der uns zu einer Werkstatt gebracht hat, wo das Auto jetzt hoffentlich wieder fit gemacht wird.
Somit sitzen wir jetzt alle wieder in Cromwell fest... irgendwie aber auch eine lustige Geschichte. Jeder kann von Milford Sound erzaehlen: Es war so toll, es war so schoen. Aber wir koennen sagen: THIS WAS INSANE!
Die Bilder werde ich in den naechsten Tagen online stellen, wenn alle meine Sachen wieder getrocknet sind...
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